Weingut Bouchard Finlayson

Südafrikas Spitzenweine – zu Besuch bei Bouchard Finlayson in Hemel-en-Aarde

Anfang April stand bei uns der Frühling in den Startlöchern. In Südafrika ist das andersherum. Da setzt der Winter zum Sprung an. In den Weinbergen herrscht Ruhe. Für mich der perfekte Zeitpunkt, um zu schauen, wo unsere Lieblingsweine reifen – zuerst ging es in die Region Walker Bay zum Weingut Bouchard Finlayson.

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Überragende Winzer suchen Herausforderungen. Da braucht bloß einen Titanen, der darauf schwört, dass sein Spätburgunder es mit jedem anderen auf der Welt an Komplexität, Fülle und Ausdruck aufnehmen könne. Damit reizt er andere, nicht eher locker zu lassen, als bis der Gegenbeweis erbracht ist. Peter Finlayson nahm die Herausforderung an. Mit Unterstützung des Franzosen Paul Bouchard etablierte der versierte Winemaker in seiner Heimat Südafrika den Pinot Noir, eine der heikelsten unter den Rotweinsorten – auf dass sein Wein besser würde, als alles, was bis dato in den berühmten Kellern Burgunds reifte.

Muße im Keller – ein Jahrgang zur Zeit

Seit bald dreißig Jahren produziert das Boutique-Weingut Bouchard Finlayson den König der Weine. Das 125 Hektar große Anwesen im Hemel-en-Aarde Valley gehört den Tollmans, einer schillernden Familie, die ausgehend von Johannesburg heute ein weltweites Netz von First Class Hotels unterhält. Ihr Weingut hat durch den Import der Burgunderrebe nicht nur das Tal geprägt sondern mit seinen Grand Crus international für Aufsehen gesorgt. Qualität geht dort strikt vor Quantität. Im Keller wird jeweils nur ein Jahrgang ausgebaut. Die Hälfte des Ertrages geht in den Export. Das sind eine halbe Million Flaschen. Ich fahre dorthin, weil ich wissen will, warum Bordeaux-Weine vom Kap die besseren sein sollen. Wie lässt sich in Deutschland deren langer Transportweg rechtfertigen? Wie steht es mit Fair Trade und welchen Beitrag leistet dort der Weinbau zur Artenvielfalt?

Winemaker Chris Albrecht studierte an der Stellenbosch University. In Frankreich, den USA und Neuseeland sammelte er praktische Erfahrungen. Foto: panama 2018

Bokkeveld Schiefer – für Weine mit Charakter und Eleganz

Anstelle einer Antwort fährt mich Chris Albrecht im Geländewagen durch die Weinberge. Peter sei in Botswana, um Vögel zu fotografieren, berichtet der junge Kellermeister. Die beiden bilden seit fünf Jahren ein Team. An einer staubigen Brache hält er an. Auf rund einem Kubikmeter wurde Erde ausgehoben. Für Bodenproben, an der Universität in Kapstadt würden sie zurzeit untersucht, erklärt Chris. Aber er sei sich jetzt schon sicher: Auf dieses Terroir gehöre Pinot Noir. Mehr als die Hälfte der 22 Hektar Weinterrassen von Bouchard-Finlayson ist damit bepflanzt. Starke, feuchte Winde vom Atlantik temperieren die Kuppe, auf der wir stehen. Es ist eine der kühlsten Regionen Südafrikas. Ideale klimatische Bedingungen wären das für diese Rebsorte, meint der 39-jährige: „Unsere Trauben bekommen länger Zeit für die Reife. Dadurch entwickeln ihre Aromen auf natürliche Art Vielfalt und eine Komplexität, die andere erst im Keller erreichen.“

Chris steigt in die Grube, weist auf einen Mix aus Kies und Ton, der durchsetzt ist mit eisen- und granithaltigen Partikeln. Darunter liegt eine Schicht toniger Schieferformation. Sie hält Feuchtigkeit im Boden. Mit einem Brocken Sandsteine in der Hand taucht er wieder vor mir auf. Extremer Druck auf die Kontinentalplatten sorgte vor mehr als 500 Millionen Jahren dafür, dass sich Gesteinsmassen aus dem Meer erhoben und rund um das Kap einen faltigen Sandsteingürtel bildeten: Das Bokkeveld Shale.

Paradiesische Vielfalt

Mein Blick schweift hinüber zu den vor uns liegenden Reihen mit Sauvignonstöcken. Sie stehen dichter als andere Reben beieinander. Das hätten sie sich von Winzern aus dem Nappa Valley abgeguckt, eröffnet mir Chris, dadurch erhöhe sich der Konkurrenzdruck der Pflanzen untereinander. Die Rebe bildet dann zwar nur wenige Trauben aus, dafür besäßen diese aber ein besonders konzentriertes Extrakt. Ich will zwischen die Reihen treten, da ruft er mir zu: „Watch out!“. Es gäbe Schlangen im Weinberg, sogar Leoparden würden durch die Hänge streifen. Peter habe streng verboten, auch nur eines der Tiere zu vertreiben. Vor allem die Affen, zahlreiche Vögel und Antilopen ernähren sich von den Trauben im Weinberg. Ob das nicht ein Problem sei, will ich wissen. Ach nee, wiegelt Chris ab, 20% der Fläche wären halt „feeding area“. Damit könne er leben. Es sei genug für alle da.

Ausgezeichnet durch den WWF

Für das vorbildliche Verhalten zum Schutz der heimischen Flora und Fauna wurde Bouchard Finlayson zuletzt als WWF Conservation Champion ausgezeichnet. Das geht vor allem auf das Konto von Frank Woodvine. Der Biologe entfernt von den umliegenden Brachen konsequent alle „Aliens“, mit dem Effekt, das sich nun, nach gut zehn Jahren Arbeit, die einstige Pflanzenvielfalt wieder einstellt. Rund 330 verschiedene Arten Fynbos konnte er bisher klassifizieren. Viele davon sind endemisch, also nur dort vorhanden. Weit über 1.000 Arten dieser gebüschartigen Pflanze gelten als vom Aussterben bedroht oder gefährdet.

Aussicht auf Wohlstand

Zurück auf dem Gut erkundige ich mich im Management bei Judy Bakker nach den Arbeitsbedingungen. Behandelt man Arbeiter und Angestellte ebenso respektvoll wie Fynbos und Bamboos? Ich dürfte frei umhergehen und jeden fragen, den ich treffe, erhalte ich zur Antwort. Das tat ich: Von den 25 Familien, die im Weinberg oder Keller Arbeit fanden, leben 16 auf dem Gelände. Manche arbeiten schon 18 Jahre und länger, einige bereits seit mehreren Generationen auf dem Weingut. Wird jemand krank, muss er sich nicht in die Warteschlage vor der staatlichen Krankenstation einreihen sondern geht zu einem Arzt in dessen private Praxis. Das zahlt der Arbeitgeber. Familien erhalten Schulgeld, um ihre Kinder auf Privatschulen schicken zu können. Die seien um Klassen besser als das staatliche Bildungsangebot, wird mir berichtet. Judy nickt zustimmend. Wovon die Leute aber noch nichts wüssten, ergänzt sie, sei das neue Housing Program. Wer künftig in Rente geht, soll einen Alterswohnsitz und ein Stück Land erhalten. „People first“ sagt Judy, sei das Credo von Beatrice Tollman. Die Grande Dame der Hotelbranche habe stets in ihr Personal investiert, jedem eine Chance gegeben wollen, und mache sich heute noch die Mühe, zu Weihnachten allen ein Präsent zu geben, mit handschriftlichen Gruß. Der Erfolg gibt ihr Recht.

Link

https://www.bouchardfinlayson.co.za/